Liebe Studierende
Nach drei Wochenimpulsen und den entsprechenden Posts melde ich mich einmal bei Ihnen. Mit grossem Interesse habe ich Ihr Schreiben verfolgt und habe nun insgesamt etwa 60 Posts gelesen. Ganz unterschiedlich kommen sie daher, manche ausführlich und gut untermauert durch Recherchierarbeit , andere kurz und bündig und etwas gar allgemein gehalten, wieder andere mit nachvollziehbaren Beispielen konkret auf die eigene Situation und das eigene Verhalten bezogen . Auf jeden Fall kommt mir vor, als hätten diese drei Wochen doch wichtige Bewusstseinsimpulse bei Ihnen ausgelöst (stimmt’s?). Es fallen Ihnen Tatsachen, Situationen und Gegebenheiten neu und anders auf, die Sie vorher vermutlich nicht beachtet haben. Mit Kopf und Herz (und Hand?) sind Sie auf die Fragen der Nachhaltigkeit eingestimmt.
Gut gefallen hat mir, dass verschiedene versucht haben, das gesamte Nachhaltigkeitsdreieck mit allen drei Pfeilern ins Spiel zu bringen. Geht diese Balance vergessen, landen wir wieder bei reinen Umweltargumenten, bei Fragen von Profit und Wachstum oder „nur“ der sozialen Frage und den unterschiedlichen Lebensformen. Dabei bedingen sich die drei und müssen aufeinander bezogen bleiben. Auch wenn am Ende trotz technischer Innovationen und Effizienzsteigerung die Lebensgrundlagen und damit die Ressourcen- und Energiefrage den Ausschlag geben (ich gehe nicht davon aus, dass Spaceship Earth oder die Besiedelung eines anderen Planeten eine realistische Alternative sein wird).
Ich habe gemerkt, dass bei Ihren Posts vieles aufscheint, was mich auch beschäftigt. Auf einen Punkt möchte ich dabei kurz eingehen: Wir wissen zwar um die Zerstörungen, die sozialen Probleme, die Ungerechtigkeiten hier und andernorts in der Welt und sind in der Lage, die unbequeme Wahrheit eigentlich ganz gut zu sehen. Gleichzeitig richten wir unser Verhalten doch nur bedingt auf diese Tatsache ein. Das ist mir bei den Mentoratsbesuchen jüngst so gegangen. Mich tröstend, dass ich ja einen Hybrid fahre und somit doch „besser“ bin als viele, habe ich mich in zwei Fällen ins Auto gesetzt und mir eine zusätzliche halbe Stunde Schlaf gegönnt. Das war in dem Moment Lebensqualität und hat mir keine schlaflose Nacht beschert. Längst habe ich gelernt, dass niemand zu 100% konsequent sein kann. Dennoch frage ich mich mit manchen von Ihnen immer wieder neu, ob das reicht, was man selber tut, vor allem, wenn die Ergebnisse einer konkreten Veränderung nicht gleich sichtbar werden. Dann ist die Gefahr gross, manches wieder aufzugeben und den bequemen Weg zu gehen, wegzuschauen und zu verdrängen. Dann hilft mir jeweils, dass ich mir die Weggefährtinnen und Weggefährten in Erinnerung rufe, die hier und jetzt mit mir auf diesem wunderbaren Planeten unterwegs sind und entschlossen sind, sich dafür einzusetzen, dass er lebenswert bleibt auch für diejenigen, die nach uns kommen. Dann habe ich wieder Mumm weiterzumachen.
Alles Gute Ihnen, bei der Suche nach gerechtem Kaffee oder Bananen, nach echter Lebensqualität, beim Kleiderkauf (siehe auch
www.cleanclothes.ch ) oder bei zeitweiligem frohem Verzicht, beim konsequenten Abfalltrennen oder wo auch immer!
Gespannt auf die weiteren Beiträge grüsse ich Sie herzlich
Ihre Blogbetreuerin
U.Frischknecht
PS: Ist Ihnen ein Blog-Mitgleid abhanden gekommen?